Da liegt er vor mir, mein Lieblingsplatz, eingerahmt vom dichten Grün der Bäume, deren Umrisse sich im Wasser spiegeln und bizarre Schatten malen.
Waldsee, 2020, / Acryl a. L. / 140*100 cm
Stille dehnt sich aus – unendlich langsam,
Sonnenstrahlen glitzern und tanzen ihr verrücktes Ballett
auf der sich sanft kräuselnden Wasseroberfläche,
Libellen beäugen mich neugierig.
Der Waldboden ist weich und warm und duftet nach Kiefernnadeln. Ich lasse mich gern darauf nieder und atme tief ein. Der Duft erinnert mich an glückliche Kindertage, mit sonnengefleckter Decke im Schatten und fröhlichem Geplanschte.
Alles ruht in der Mittagssonne, träge fließt die Zeit dahin. Meine Gedankengänge werden zäh, verlieren sich in Bedeutungslosigkeit.
Ich bin mir selbst genug, tauche die Füße ins Wasser und taste mich langsam vorwärts, die Weiden streichen über Kopf und Rücken
und ich lasse mich auf dem Rücken dem Licht entgegen treiben.
Ich male leidenschaftlich gerne Blumen. Einerseits weil ich einen Garten vor der Haustüre habe und andereseits weil ich meine Mitmenschen unbedingt an dieser Schönheit teilhaben lassen möchte.
Aber warum dienen Blumen seit Jahrtausenden immer wieder als beliebtes Motiv ?
Ich habe mir diese Frage gestellt und beantwortet hat sie mir dann eine Ausstellung über Rachel Ruysch in der Alten Pinakothek in München. Sie war eine sehr erfolgreiche und wohlhabende, niederländische Stilllebenmalerin des Barocks.
Sonnenblume, Kopie: Detail aus einem Bild von Rachel Ruysch, 2025, Acryl a.L., 20*20 cm
Ihre prachtvollen, täuschend echt wirkenden Blumenstillleben waren damals wie heute ein richtiger Publikumsmagnet. Und haben sich gut verkauft.
Detail aus einem Stilleben, Rachel Ruysch nachempfunden
Ich glaube wir sehnen uns nach Schönheit. Verstörende Bilder sind inzwischen alltägliche Normalität, da suchen unsere Augen und unsere Seele förmlich nach Abwechslung.
Ich war so fasziniert von ihren Kompositionen und detaillierten Abbildungen, dass ich einzelne Ausschnitte zu Übungszwecken kopiert habe. Kopieren klingt nach „ist ja ganz einfach“, ist es aber dann doch nicht!
Trichterwinde, Kopie: Detail aus einem Bild von Rachel Ruysch, 2025, Acryl a.L., 20*20 cm
Hier übe ich den genauen Blick und verstehe mit jedem Pinselstrich mehr, welche Tricks die alte Meisterin angewandt hat um Tiefe, Dynamik und Lebendigkeit ins Bild zu zaubern.
Und wer nimmt sich heute schon die Zeit einen Schmetterling zu malen, das ist der pure Luxus!
Stilleben „Hommage an Rachel Ruysch“
Hommage an Rachel Ruysch, Acryl a. L., 80*80 cm, 2025
Letzendlich hat es dann dazu geführt, dass ich mit großem Pinsel und lockerem Strich ein Stilleben sozusagen NeoBarock kreiert habe!
Und ich dachte schon dieser Typ würde bis ans Ende seiner Tage nur noch Golf spielen. Aber nein. ER ist wieder DA! Und mit ihm die großen Gesten und die falschen Versprechungen.
Who the f*ck is erica? / 2019 / Acryl a. L. / 120*180 cm
Ich habe dieses Bild in Wahlplakatgröße 2019 gemalt, weil ich es so unglaublich fand, dass ein Präsident eines demokratischen Landes so menschenverachtend, selbstverliebt und verlogen sein kann.
Seinen Slogan Make America great again konnte ich nur in Bezug zu seinem Größenwahn stellen.
Die unverfrorene, inszenierte Selbstdarstellung und Machtdemonstration, die damit verbundene Selbstverliebtheit hat fast schon pathologische Züge.
Moral kennt er nicht, außer sie dient seinen privaten Zwecken. Denn dieser Mensch braucht sehr viel Aufmerksamkeit und dafür ist ihm jedes Mittel recht.
Düstere Zeiten.
HE’S BACK!
I painted this election-poster-sized image in 2019 because I found it so unbelievable that the president of a democratic country could be so inhumane, self-obsessed, and deceitful.
I could only interpret his slogan “Make America Great Again” as a reflection of his megalomania.
The brazen, staged self-promotion and display of power, along with the narcissism that goes with it, has almost pathological traits.
He knows no morality, unless it serves his personal interests. Because this man craves a great deal of attention, and to that end, any means are acceptable to him.
Dark times.
Der Gedanke gefällt mir und lässt mich nicht mehr los.
Man muss sich nicht erklären und befreit sich von irgendwelchen Zuweisungen. Gibt sich selbst und den Betrachtenden Rätsel auf und lässt seinen Ideen freien Lauf.
Dreams have no title, 2024, Acryl auf Leinwand, 50*40 cm
Eigentlich suche ich nach einem Bildmotiv für eine Ausstellung mit dem Titel: “Wie wirklich ist die Wirklichkeit?”
Und je länger ich über den Titel sinniere umso weniger fällt mir ein. Und dann fliegt mir dieser Satz wieder zu “Dreams have no title”.
Ich begebe mich auf eine innere Reise, tauche ab in die Untiefen meiner Phantasie, lasse mich treiben und gehe auf Reisen mit einem Goldfisch.
Der Winter hat schon ein erstes, kurzes Gastspiel gegeben. Schnee und Eis bedecken die Natur.
Der Himmel leuchtet im klaren Blau, Strukturen treten feingezeichnet hervor, die Sonne wirft lange Schatten, Stille umhüllt die Landschaft, das Leben ruht.
Ostersee im Winter, 2024, Acryl a. L., 80*60 cm
Die Landschaft zeigt sich in einem Spektrum aus Blautönen, vom zarten Eisblau bis hin zu tiefem Indigo. Im Dunst am Horizont lassen sich die Silhouetten der Landschaft nur noch erahnen.
Ich mag diese Stimmung. Es zieht mich hinaus zur Motivsuche, ich mache lange Spaziergänge um den Winter mit allen Sinnen zu erleben.
Alte Bäume ragen in den Himmel.
Winterstarre, 2024, Acryl a. L., 100*40 cm
Der Schnee drückt sie schwer nieder, Äste brechen unter dieser Last. Sie tragen Wunden und stellen sich gefühlte Ewigkeiten den Widrigkeiten von Wind und Wetter entgegen.
Für mich sind sie stumme Zeugen uralter Geschichten.
Die Nachrichten sind mal wieder deprimierend. Bilder von Zerstörung und von Menschen, die alles verloren haben.
Krieg als Konfliktlösung scheint wieder salonfähig. Diplomatie gilt als Schwäche, Frieden als Illusion. Was bleibt, ist die Spirale: Bedrohung, Gegenangriff, Vernichtung – und die Frage, die niemand laut stellt: Kann es am Ende wirklich Sieger geben? Und zu welchem Preis?
Das Leid trifft immer zuerst die Zivilbevölkerung. Es geht nicht nur um den Verlust von Menschen, sondern auch sondern auch um den Verlust eines menschenwürdigen Daseins, einer Zukunftsperspektive für die nachfolgenden Generationen. Ein friedliches Miteinander scheint in weiter Ferne.
Und dahinter stecken skrupellose Menschen, die Krieg als Werkzeug benutzen, Ressourcen als Beute betrachten und Menschenleben als Verfügungsmasse.
Dazu kommt: Der Planet selbst scheint aus dem Gleichgewicht geraten. Ob Erdbeben, Dürren oder Überschwemmungen – nicht alles menschengemacht – trotzdem, wir haben ein globales Problem! Wir haben die Bedingungen geschaffen, unter denen das Klima kippt. Auch das ist eine Form von Krieg – gegen die eigene Lebensgrundlage.
Ich erinnere mich noch gut, wie es sich anfühlte, an etwas zu glauben. Meine Generation ist mit Visionen aufgewachsen – Frieden, Gerechtigkeit, ein Leben im Einklang mit der Natur, Würde für alle Menschen auf diesem Planeten. Manches davon klingt heute tatsächlich naiv. Aber war es das?
Ich bin traurig. Ich bin wütend. Ich fühle mich ohnmächtig – und gleichzeitig weigere ich mich, denen das letzte Wort zu lassen, die glauben, alles im Griff zu haben.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben.
„In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wiedergefunden“
Blaise Pascal
Ich überlasse mich dem Summen der Insekten und tauche ein in eine vielfältige Welt aus Blüten im schillerndsten Gewand, verführerischen Düften, und tanzenden Sonnenstrahlen. Der schönste Gartenmonat ist für mich der Mai. Dann bietet sich die Natur in ihrer unerschöpflichen Vielfalt, eine wahre Farben- und Formenpracht, belebt von einer Vielzahl an Vögeln und Insekten. Jetzt finde ich kaum Zeit zum Malen, denn der Garten ruft mit aller Macht !
Von Frühjahr bis zum Herbst fließt ein großer Teil meiner kreativen Energie in meinen Garten. Nicht nur die Blütenstauden möchten gehegt und gepflegt werden, da gibt es auch noch Gemüse vorzuziehen, die Ernte und das Verarbeiten, Sträucher zu beschneiden und vieles mehr.
Der kleine Gemüsegarten
Die Kunst hierbei besteht darin, als Mensch so wenig wie möglich und doch so oft wie nötig einzugreifen. Ein steter Kreislauf aus Wachstum und Vergehen. Ich könnte ein Loblied auf die Gartenarbeit anstimmen und doch gibt es Tage wo mir die Pflanzenwelt buchstäblich über den Kopf wächst.
Gletscher mögen weit entfernt erscheinen, doch wirken sie in vielfältiger Weise auf das Leben unseres Planten ein. Als Teil des Kühlsystems der Erde helfen sie die globalen Temperaturen zu regulieren und sind in vielen Regionen bedeutende Süßwasserspeicher.
„Die Letzten Ihrer Art“ ist eine Verbeugung, – vor einer grandiosen Landschaft und seltsam, urzeitlichen Gestalten, – die dem Untergang geweiht sind.
Gewaltige Gletscher, eisblaue Vielfalt, unendliche Weite fernab der Zivilisation, erhabene Stille, durchbrochen vom Knacken und Ächzen der Eismassive. Diese Regionen scheinen für immer verloren zu sein.
„Die Letzten ihrer Art“, 2023, Acryl a. L., 80*60 cm
Die Idee zu dieser Serie entstand Anfang des Jahres in Erinnerung an meine Reise zum Perito Moreno Gletscher in Patagonien, 2013. Ich werde diese monumentale Naturlandschaft am Ende der Welt nie vergessen.
Bedeutet für mich meine gewohnten Wege zu verlassen, ich lasse mich ein auf das Unbekannte und schaffe neue Frei-Räume in meinem Kopf. Und mache mich frei von der täglichen Informationsflut und der allgegenwärtigen Angst. Ich beschließe dem Frühling engegen zu reisen.
Teno Gebirge, Teneriffa
Endlich wieder den Blick auf die Weite des Ozeans richten und Sonne und Kraft tanken. Ich fühle mich ganz klein in Anbetracht des schlafenden Vulkans und der Wanderung auf einsamen, alten Pfaden hoch oben in den zerklüfteten Bergen. Welche Menschen sind diese verlassenen Wege wohl über die Jahrhunderte gegangen?
An steilen Hängen am Wegesrand wachsen Kakteen in Schräglage unter widrigsten Bedingungen und aus den Felspalten drängen sich seltsame Rosetten ans Licht.
An der nächsten Biegung dann ein unverhoffter Ausblick über die Wolken zur Nachbarinsel …
Teno Gebirge Blick auf La Gomera, Teneriffa
Auf dem Weg in die Ebene wandle ich staunend durch einen uralten Zauberwald aus mannshohen Erikabäumen.
Und entdecke die seltene, rote Glockenblume, die nur auf den Kanarischen Inseln wächst.
Im Botanischer Garten widerum begegne ich tropischen und subtropischen Schönheiten in einer unbeschreiblichen Farben- und Formenvielfalt.
Botanischer Garten, Teneriffa
Fehlt noch der Ausblick auf den Atlantischen Ozean. Doch der Weg ans Ziel ist streckenweise etwas abenteuerlich.
Ich verliere mich in der Betrachtung der Wellen, lasse alle Gedanken los und bestaune die Schönheit der Felslandschaft, die sich seit Jahrmillionen dem wilden Wasser entgegenstellt.
Puerto de la Cruz, Teneriffa,
Ich tauche ein in das Rollen der Brandung, suche keine Ablenkung mehr und bin mit allen Sinnen endlich am Meer.
El Atlantico
Ein letzter Blick auf das Wahrzeichen der Insel Teneriffa, El Teide, der schlafende Vulkan. Am Abend ist das Licht dort besonders magisch.
El Teide im Abendlicht, Teneriffa
Die kanarischen Inseln gehören zu meinen Sehnsuchtsorten, ich komme immer wieder gerne dorthin zurück. Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, nicht unbedingt zum Guten. Trotzdem kann ich mich der Magie dieser Inseln nicht entziehen. Atemberaubende Landschaften, teilweise menschenleer und einzigartig. Hier fühle ich mich den Urgewalten nah und habe Respekt vor der Natur, die mir so stark und unbesiegbar erscheint.
Und so gibt es im Monat März meine fotografischen Erinnerungen zu sehen, eine meiner vielen Inspirationsquellen.
In diesen turbulenten Zeiten erscheint mir der Hang zur Größe irgendwie unpassend.
Verschwenderisch, laut, protzig – dabei müssen wir uns doch alle mit einer unbequemen Wahrheit anfreunden, dass Beschränkung keine Niederlage ist, sondern Notwendigkeit.
Und so wende ich mich den kleinen Formaten zu, weil die großen Dinge in mir derzeit ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit erzeugen. Sind es nicht die kleinen Dinge im Alltag die uns berühren und uns eine Ahnung von der Unendlichkeit der Schöpfung geben?
Unendlichkeit, 2022, Acryl a. L., 30*30 cm
Kleine Formate erlauben mir, meine Ideen spontaner umzusetzen. Bildideen, die ich schon lange in mir trage, finden so schneller ihren Weg auf die Leinwand.
Te a la menthe, 2022, Acryl a. L., 40*40 cm
Flüchtige Momente, Lichtspiele in der Nacht, Sehnsucht nach Reisen an magische Orte …
Le Bleu du Marrakesh, 2022, Acryl a. L., 30*30 cm
… oder die Erinnerung an farbenfrohe marokkanische Schuh-Kunstwerke, die ich so nie wieder gesehen habe.