Begegnungen auf Reisen

Gabriele Riedel, Künstlerin, Seeshaupt Foto © Gabriele Riedel

Ich reise gerne spontan und mit möglichst wenig Aufwand. Bevorzugt in den Süden, in die Wärme und ans Meer.

Christina

Ich möchte mich im Blau des Himmels und des  Meeres verlieren, ein bisschen Sonne tanken. Bin dank einer spontanen Einladung auf Malta gelandet.

Malta, Dez.2025 (c) Foto: Gabriele Riedel
Malta, Dez. 2025 (c) Foto: Gabriele Riedel

Sitze im Café am Hafen, vor mir die Bucht mit der Zitadelle. Kreuzritter und Superreiche, diese Insel hat viele Geschichten zu erzählen.  So wie Christina, die wie ich dem Winter entflohen ist.

Blue dreams Acrylpainting, Acrylmalerei, 60*50 cm, 2026, copyright gabriele riedel, https://gabriele-riedel-art.de
Blue dreams Acryl a. L., 60*50 cm, 2026

Ein Espresso, eine Zigarette und eine Handtasche mit dem passenden Lippenstift. Was braucht eine Frau mehr um sich frei zu fühlen?

Dieses Bild des kleinen, selbstgewissen Glücks hat mich nicht losgelassen und ich habe versucht diesen flüchtigen Moment für mich festzuhalten.

Giulia

Wir sind uns beim Aktzeichnen begegnet.

Summer Academie Italia
Foto © Gabriele Riedel

Ein altes italienisches Landgut, eine eifrig, konzentrierte Gruppe von Studentinnen und Studenten, ein schamhaftes Modell in der Badehose, Kerzenschein und guter Wein. Die Szenerie war intim und doch inszeniert.

Der Maestro und Gastgeber der Akademie – ein sinnenfroher, exzentrischer Kunstmaler, der mit seinem exotischen Lebenspartner eine bunte Gemeinschaft um sich herum versammelt hatte.

Das Anwesen selbst versteckte sich in einem großzügigen Park mit verwunschenen Ecken und farbenfrohen Kunstinstallationen. Eine sommerliche Bühne für Alle, eine Einladung zur Selbstinzszenierung oder auch nur ein geschützter Platz zum Träumen, Zeichnen, Schreiben.

Giulia, Acrylpainting, Acrylmalerei, 60*50 cm, 2026, copyright gabriele riedel, https://gabriele-riedel-art.de
Giulia, Acryl a. L., 60*50 cm, 2026

Giulia in ihrer Selbstvergessenheit und Konzentration faszinierte mich mehr als unser Modell in seinen gestellten Posen.

Starke Frauen

Fernando Botero Skulptur ,Detailansicht in Pietrasanta, Foto: Gabriele Riedel Art

Es gibt so viele mutige und starke Frauen deren Geschichte nie erzählt wird. Andere hingegen stehen für kurze Zeit im Rampenlicht, bevor sie wieder in Vergessenheit geraten. Ich finde das bedauerlich.

Alte Männer, mit patriarchalischen Vorstellungen aus biblischen Zeiten, dominieren die Weltpolitik und prägen unsere Vorstellungswelten. 

Gerade jetzt brauchen wir weibliche Vorbilder, die für Toleranz und Menschlichkeit kämpfen, sich für Frauenrechte einsetzen, für Bildung, für Arten – und Naturschutz kämpfen. Es gibt noch viel zu tun und der Preis dafür ist oft sehr hoch.

Stellvertretend für all diese unterschiedlichen Lebenswelten habe ich sechs Frauen ausgewählt, die mich auf sehr unterschiedliche Weise beeindruckt haben und die ich deshalb portraitiert habe.

Malala Yousafzai

„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“

Malala Acrylpainting, Acrylmalerei, 60*50 cm, 2026, copyright gabriele riedel, https://gabriele-riedel-art.de
Malala Yousafzai, Acryl a. L., 60*50 cm, 2026 © Gabriele Riedel

Malala ist eine pakistanische Frauen- und Kinderrechtsaktivistin und jüngste Trägerin des Friedensnobelpreises. Bildung ist ein elementares Grundrecht und die Grundlage für Demokratie.

Deshalb möchte ich mit diesem Portrait an die Geschichte von Malala, aus dem pakistanischen Swat Tal erinnern. Mit elf Jahren begann sie in einem Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter der Herrschaft der pakistanischen Taliban zu berichten. Im Oktober 2012 hielten einige Taliban ihren Schulbus auf der Heimfahrt an, schossen ihr aus nächster Nähe ins Gesicht und verletzten sie schwer.

Anlass für den Anschlag war ihr Einsatz für das Recht auf Schulbesuch für Mädchen. Noch immer gibt es ungezählte Frauen und Mädchen weltweit, denen das Recht auf Bildung verweigert wird, damit sie versklavt und ausgebeutet werden können. Besonders gefährdet sind sie in Kriegs und Krisenzeiten.


Jane Goodall

Auch Tiere haben eine Persönlichkeit und Gefühle.“

Jane Goodall 2019, Acrylpainting, Copyright Gabriele Riedel
Jane Goodall im Jahr 2019,
Acryl a. L., 60*50 cm, 2025 © Gabriele Riedel

Ein Leben für den Naturschutz. Dank ihrem Mut und der Entschlossenheit ihrem Traum zu folgen, erhielt sie die die Chance das Verhalten von Schimpansen in freier Natur in Gombe Nationalpark in Tansania, zu erforschen.

Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse führten im Laufe ihres Lebens zum aktiven Engagement für Arten und Naturschutz. Oberstes Ziel ist der respektvolle Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur.

Mittlerweile setzen sich 25 Jane Goodall Institute rund um den Globus für umfassenden Natur- und Artenschutz, Bildung in nachhaltiger Entwicklung sowie globale Entwicklungszusammenarbeit ein. Jane Goodall wiederholte jedoch immer wieder, dass ihre größte Hoffnung für die Zukunft im Engagement junger Menschen liege.

Sie warb unermüdlich für diese Ideen und ist am 1. Oktober 2025 auf einer Vortragsreise in Los Angeles gestorben. Und hat uns so viel Gutes hinterlassen.


Margot Friedländer

„Wir sind alle gleich – es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut.“

Margot Friedländer, Zeitzeugin des Holocaust, Acrylmalerei., 60*50 cm © Gabriele Riedel
Margot Friedländer, 2025, Acryl a. L., 60*50 cm © Gabriele Riedel

Geboren als jüdische Deutsche 1921 in Berlin, deportiert 1944 ins Konzentrationslager Theresienstadt, befreit im Mai 1945, entging Margot Friedländer nur knapp dem Tod durch den nationalsozialistischen Terror. Als einzige in ihrer direkten Familie überlebte sie den Holocaust.

Nach über sechs Jahrzehnten im Exil in New York kehrte sie im Alter von 88 Jahren in ihre Heimat Berlin zurück und setzt sich dafür ein, dass das, was Millionen von Menschen ihrer Generation angetan wurde, nie wieder passieren darf.

Sie setzte sich bis ins hohe Alter von 103 Jahren für Toleranz und Menschlichkeit ein.

Sie ist am 9. Mai 2025 gestorben, solche Stimmen werden fehlen.


Gisèle Pelicot

„Die Scham hat die Seite gewechselt“

Gisèle Pelicot nach der Urteilsverkündung im Prozess gegen ihren Exmann. Acrylbild
Gisèle Pelicot, 2024, Acryl a. L., 60*50 cm © Gabriele Riedel

Seit dem Prozess (2024) gegen ihren Ex-Mann und Vergewaltiger ist die 71-jährige Französin Gisèle Pelicot zur Ikone im Kampf gegen sexuelle Gewalt geworden.

Ihr Ex-Mann betäubte sie ohne ihr Wissen durch den Einsatz starker Medikamente und lud mindestens 82 Männer in das gemeinsame Haus ein, um sie vergewaltigen zu lassen. Die Täter stammten aus allen sozialen Schichten, waren zwischen 22 und 70 Jahre alt und kommunizierten über eine Online-Chat-Seite.

Um aus der Opferrolle herauszutreten, setzte sie bei Gericht in Avignon durch, dass der Prozess nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Sie entschied sich, auf ihr Recht auf Anonymität zu verzichten und den Prozess bewusst öffentlich zu führen.

Ihr Ex-Mann wurde wegen schwerer Vergewaltigung schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. In dem Verfahren standen neben dem Hauptangeklagten 50 weitere Männer vor Gericht, die meisten wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung.

[Quelle: Gisèle Pelicot – Wikipedia]


Nahid Taghavi

Deutsch-iranische Frauenrechtlerin Nahid Taghavi 2025, Acryl a. L., 60*50 cm © Gabriele Riedel
Nahid Taghavi, 2025, Acryl a. L., 60*50 cm © Gabriele Riedel

Nahid Taghavi,  wurde wegen ihres Engagements für Frauenrechte im Oktober 2020 in Teheran verhaftet und verbrachte 220 Tage in Einzelhaft im berüchtigten Evin-Gefängnis.

Von ihrer Verhaftung bis zur Verurteilung verbrachte Nahid Taghavi mehr als sieben Monate in Isolationshaft. Sie musste ohne Bett und Kissen auf dem Boden schlafen, wurde rund um die Uhr überwacht und durfte nur 30 Minuten pro Tag mit Augenbinde an die frische Luft.

Taghavi war eine von mehreren politischen Gefangenen im Iran mit deutscher Staatsbürgerschaft und wurde im Januar 2025 nach 1500 Tagen in Haft freigelassen.

[Quelle: https://www.amnesty.de/aktuell/iran-nahid-taghavi-wieder-frei-deutsch-iranerin-freilassung-haftentlassung ]

Der Iran zählt leider schon sehr lange zu den brutalsten Regimen weltweit. Im Namen der Religion werden Frauen und Männer ihrer Rechte beraubt, mit Gewalt unterdrückt und ermordet.

Umso mehr Mut erfordert es unter solchen Bedingungen zu seinen Idealen zu stehen.


Kapverdische Bäuerin

Bäuerin auf den Kapverden, 2025, Acrylmalerei, 60*50 cm © Gabriele Riedel
Bäuerin auf den Kapverden, 2025, Acryl a. L., 60*50 cm © Gabriele Riedel

Eine Begegnung auf San Antao, Kapverden.

Stundenlange, beschwerliche Wanderung über steinige Pfade. Bergauf, bergab und dann steht sie plötzlich auf dem Weg und freut sich über einen kleinen Plausch. Menschen kommen hier nur gelegentlich vorbei. In der Mitte der Insel gibt es keine Straßen und die Bewohner tragen alles zu Fuss und auf dem Rücken hinauf zu ihren bescheidenen Häusern.

Sie ist eine von vielen Frauen auf dieser abgelegenen Insel, die mit harter körperlicher Arbeit für das Überleben ihrer Familie sorgen. Und damit auch symbolisch für so viele andere.

Die Männer sind fortgezogen, um ihr Glück und ihr Auskommen in der Ferne zu suchen.

Musik rettet meine Tage

Die Zeiten sind irgendwie trostlos und ich begebe mich auf die Suche nach einem verloren gegangenen Lebensgefühl.

Höre die Songs meiner Heldinnen.  So unterschiedlich ihre Musik auch sein mag, für mich haben sie alle etwas gemeinsam. Die Sehnsucht nach Freiheit, Rebellion und Unangepasstheit, oft verbunden mit Schmerz und Einsamkeit.

Diese Zerrissenheit und gleichzeitig auch ihre Verletzlichkeit darzustellen, mache ich zum Thema meiner neuen Portraitserie. Alle drei stehen für Kompromisslosigkeit und sind für mich ein Spiegel meiner eigenen Suche nach Authentizität.

Patti Smith

Patti Smith wird ja gerne als „Godmother of Punk“ bezeichnet, aber sie darauf zu reduzieren wird ihr nicht gerecht.

Patti ´Smith in Berlin 2022, Acrylpainting, Patti Smith in Berlin 2022, Acrylmalerei von Gabriele Riedel 2025 , 60*80 cm, Quelle: Foto von Elena Ternovaja, Patti Smith in Berlin, 2022
Patti Smith in Berlin 2022, Acrylpainting, Copyright Gabriele Riedel; Bildvorlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Patti_Smith#/media/Datei:Patti_Smith_in_Berlin,_2022,_Bild_2.jpg

Mich fasziniert ihre Weigerung, sich festlegen zu lassen. Musik, Lyrik, Fotografie, Prosa sie bewegt sich zwischen den Genres, und bleibt sich dabei treu.

Patti entspricht so gar nicht dem üblichen Stereotyp einer alternden Frau. Innerlich wie Äußerlich. Jede Falte in ihrem Gesicht, ist Ausdruck von Lebendigkeit und erzählt etwas über ihr Leben.

Mich beeindrucken diese Offenheit und ihr Umgang mit dem Altern. In Bewegung bleiben, kreativ und interessiert sein und sich dem allgemeinen Optimierungswahn entziehen. Das ist auch mein Lebensmotto. Und genau diese Haltung wollte ich in ihrem Portrait sichtbar machen:  Das Gesicht einer  Frau, die sich selbst treu geblieben ist.

Amy Winehouse

Ihre Texte klingen, als hätte sie die Songs für sich allein geschrieben. Selbstausdruck von tiefer Liebe, Verlust und großem Schmerz. Ihre Stimme war einzigartig, ihre Musik ist echtes Soulfood.

Ihr Leben war ein Kampf mit  Alkohol und Drogen, den sie verloren hat. Und dieses ewige Drama lebt weiter in ihrer Musik. Das Dunkle fasziniert und stößt uns gleichzeitig ab.

Amy Winehouse, Portrait 40*60 cm, Acrylmalerei auf Leinwand, 2024 © Gabriele Riedel
Amy Winehouse, Portrait 40*60 cm, Acryl a. L. 2024 © Gabriele Riedel

Sie selbst erschien mir als nachdenkliche und zarte Person und so wollte ich sie darstellen.

Janis Joplin

Ich liebe ihre Stimme, diese Kraft, die Rauheit. Sie hat alles gegeben, auf der Bühne und im Leben, und genau dieses Zuviel hat sie auch zerstört. Und trotzdem wenn ich Me and Bobby McGee höre, spüre ich diese Freiheit, die sie verkörpert hat.

Janis Joplin, Portrait 60*80 cm, Acryl auf Leinwand, 2024 © Gabriele Riedel
Janis Joplin, Portrait 60*80 cm, Acryl auf Leinwand, 2024 © Gabriele Riedel

Diesen Ausdruck von Lebendigkeit und Rebellion, wollte ich in meinem Bild festhalten. Sie bleibt für mich eine der Unverwechselbaren.

Zwei meiner Heldinnen sind inzwischen tot, aber ihre Musik lebt!

Ein letzter Sommergruß

Dahlie, Acrylmalerei auf Leinwand, 20*20 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025

Prachtvolle Farben, goldenes Licht, verschwenderische Fülle, die Natur gibt noch einmal alles.

Das grelle Licht, die harten Schatten, sie werden bald verblasst sein.

Spätsommergrüße, Acrylmalerei auf Leinwand, 60*80 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025
Spätsommergrüße, Acrylmalerei auf Leinwand, 60*80 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025

Und mit Ihnen geht das Gefühl der Leichtigkeit, des freudvollen Müßiggangs, bald werden wir nicht mehr im Gras liegen und uns ins Himmelsblau hineinträumen. Melancholie liegt in der Luft

Dahlie, Acrylmalerei auf Leinwand, 20*20 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025
Dahlie, Acrylmalerei auf Leinwand, 20*20 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025

Es scheint mir fast, als ob uns die Natur noch einen letzten Gruß schickt, bevor sie sich zurückzieht vor dem Winter.

Ich mische Rot und Blau und Pink und Gelb, und entfache ein Feuerwerk der Farben, webe mein SpätSommergefühl ins Bild hinein.

Ein Fest der Natur. Zeit für die Ernte.

Dahlie, Acrylmalerei auf Leinwand, 20*20 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025
Dahlie, Acrylmalerei auf Leinwand, 20*20 cm, copyright Gabriele Riedel, 2025

Geschenke der Natur an uns Lebewesen.
Diesen Reichtum und die Schönheit möchte ich mit meinen Blumenbildern teilen.

 

Gartengeflüster

Es gibt nicht nur die duftenden, sich im Blütenblätterrausch verströmenden Geschöpfe

es gibt auch noch die giftigen, die störrischen, sich allen Widrigkeiten wiedersetzenden.

Amapola orientalis, Acryl a. L., 70*70 cm, 2025 © Gabriele Riedel Art
Amapola orientalis, Acryl a. L., 70*70 cm, 2025 © Gabriele Riedel Art

Anspruchslose Lebewesen, auf wackligen und borstigen Stängeln, unscheinbar und doch so zart.

Bereit für ihre vielflügeligen Freunde
die sie befruchten und mit aufgeregtem Flügelschlag in Schwingung bringen.

Wie verlockend sie sich inszenieren,

mal in Rosé gerne auch in Rot posierend,

sich in Sonnenstrahlen baden.

Es scheint das Leben feiert ein Fest

Mohn grüßt Pfingstrose, Acrylpainting, Acrylmalerei, 70*70 cm, 2025 © Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Mohn grüßt Pfingstrose, Acryl a. L., 70*70 cm, 2025 © Gabriele Riedel Art

und lädt alle Bewohner des kleinen Paradieses dazu ein teilzunehmen und sich an der verschwenderischen Fülle zu bedienen.

Und so konnte auch ich der Versuchung nicht widerstehen, diese Schönheiten aus meinem Garten darzustellen, ganz einfach weil sie das Auge erfreuen.

Mein Lieblingsplatz

Da liegt er vor mir, mein Lieblingsplatz, eingerahmt vom dichten Grün der Bäume, deren Umrisse sich im Wasser spiegeln und bizarre Schatten malen.

Waldsee, 2020, / Acryl a. L. / 140*100 cm © Gabriele Riedel
Waldsee, 2020, / Acryl a. L. / 140*100 cm

Stille dehnt sich aus – unendlich langsam,
Sonnenstrahlen glitzern und tanzen ihr verrücktes Ballett
auf der sich sanft kräuselnden Wasseroberfläche,
Libellen beäugen mich neugierig.

Der Waldboden ist weich und warm und  duftet nach Kiefernnadeln. Ich lasse mich gern darauf nieder und atme tief ein. Der Duft erinnert mich an glückliche Kindertage, mit sonnengefleckter Decke im Schatten und fröhlichem Geplanschte.

Alles ruht in der Mittagssonne, träge fließt die Zeit dahin. Meine Gedankengänge werden zäh, verlieren sich in Bedeutungslosigkeit.

Ich bin mir selbst genug, tauche die Füße ins Wasser und taste mich langsam vorwärts, die Weiden streichen über Kopf und Rücken
und ich lasse mich auf dem Rücken dem Licht entgegen treiben.

Caldera de Taburiente im Frühling

Blick aus der Caldera de Taburiente, La Palma Foto: Copyright Gabriele Riedel Art 2025, https://gabriele-riedel-art.de

Ich bin auf La Palma, im Nationalpark Caldera de Taburiente. Die vulkanische Kraterlandschaft ist schroff und wild und einsam. Sonne, Wind und Wasser, haben hier über Jahrmillionen bizarre Gesteinsformen und tiefe Schluchten geschaffen. Der höchste Punkt ist der Roque de los Muchachos mit 2.426 Metern.

Caldera de Taburiente, La Palma, Blick vom Roque de los Muchachos, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Caldera de Taburiente, La Palma, Blick vom Roque de los Muchachos
Caldera de Taburiente, La Palma, Roque de los Muchachos, cuervosFoto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Der übliche Alltagslärm ist vergessen, nur das Rauschen des Windes und das Gekrächze der Raben ist zu hören.
Caldera de Taburiente, La Palma, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
An den steilen Hänge wachsen knorrige kanarischen Kiefern, deren Stämme sogar Waldbrände überstehen und die mit jedem Windstoß einen harziger Duft verströmen.

Wenn mir der Winter zu lang wird

zieht es mich in die Sonne und die Wärme, aber möglichst naturnah und idealerweise unter Freunde. Einfach am Strand rumhängen ist nicht so mein Ding, ich meide Länder mit brutaler Polizeigewalt und all die schönen Plätze in der Ferne sind längst nicht mehr so einsam wie vor 20 Jahren …

Und so fällt meine Wahl wieder auf die kanarischen Inseln, ozeanische und vulkanische Urgewalten wirken hier nicht nur auf die Landschaft, sondern auch auf die Menschen ein. Und das erzeugt so eine gewisse Demut und Bescheidenheit, nichtzuletzt auch bedingt durch den Vulkanausbruch 2021.

Ich bin auf einer Avocado Finca gelandet

unter Freunden, weit ab vom nächsten Dorf, am Hang des alten Kraters. Die Lage ist idyllisch, die Arbeit ist beschwerlich. Ständig geht es auf und ab, denn der biologische Anbau der Früchte und Avocados geschieht auf mehreren Terrassen.

Leider hat es mit der Wärme dieses Jahr dann doch nicht so ganz geklappt. Es regnet viel und es ist auch ziemlich kühl im Schatten der Passatwinde. Meine Freunde schauen mit Sorge auf ihre Avocadobäume, die gerade in Blüte stehen und deren dichte, zarte Blütenstände vom Regen weggewaschen werden.

Avocadoblüten La Palma, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Avocadoblüten

Zudem macht eine Laus den Bäumen zu schaffen und das alles mindert den Ertrag und stellt am Ende dann auch die Existenz als Produzent*in in Frage.

Seltene Pflanzen, Eindringlinge und kleine Plagegeister

Bei meinen ausgiebigen Wanderungen im Talkessel konnte ich noch einige weitere Entdeckungen machen. Die Kaktusfeige, für mich ein seit Jahrzehnten gewohnter Anblick auf dieser Insel, stirbt aus. Es entstehen regelrechte Skulpturenparks aus deren Pflanzenskeletten. Schuld trägt eine entfernte Verwandte der Cochinillalaus, eine mexikanische Emigrantin.

La Palma, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Cochinillalaus in Aktion
La Palma, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Was am Ende bleibt
La Palma, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
ist ein Skelett aus Fasern

 

 

 

 

Und wie wunderbar grün die Landschaft dieses Jahr ist, das habe ich auch noch nie so erlebt. Meine Freunde sagen dieses grüne Gras, gehört gar nicht auf die Insel, breitet sich aber immer mehr aus. Welche Auswirkungen das langfristig auf die einheimischen Pflanzen und die Tierwelt hat, kann mir niemand sagen. Aber bekanntlich gibt es auch kleine Veränderungen mit großen Wirkungen.

Afrikanisches Pfeifengras, La Palma, Foto: Copyright Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de
Afrikanisches Pfeifengras breitet sich überall aus

Nichtsdestrotz es blüht, es summt, die Farben und Formenpalette ist üppig, Ginster, Jasmin und Orangenblüten, verströmen einen betörenden Duft. Und so manche Pflanze lässt mein Botanikerherz höher schlagen.

Zu Fuss unterwegs

Zugegeben, ich hatte kein Auto und zur nächsten Bushaltestelle hätte ich 1,5 Stunden bergauf und bergab laufen müssen. Da überlege ich mir genau wohin und warum ich gehe. Zudem war die Schlucht bedingt durch die vielen Regenfälle der vergangenen Tage für Autos unpassierbar geworden, es blieb nur die Alternative barfuss durchs Wasser.  Aber wenn ich schon auf einer Insel bin, dann muss ich auch ans Meer …

Unvergesslich dann dieser abenteuerliche Ausflug durch und am Flussbett entlang, in Richtung Atlantik, Domingo en la playa de Tazacorte.

Welch ein Glück ist es doch gute, alte Freunde zu haben und besuchen zu können. Danke die Zeit mit euch war lebendig, inspirierend und auch ziemlich lustig.

 

„Hommage an Rachel Ruysch“

Hommage an Rachel Ruysch, Acrylmalerei., 80*80 cm, 2025 © Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de

Ich male leidenschaftlich gerne Blumen. Einerseits weil ich einen Garten vor der Haustüre habe und andereseits weil ich meine Mitmenschen unbedingt an dieser Schönheit teilhaben lassen möchte.

Aber warum dienen Blumen seit Jahrtausenden immer wieder als beliebtes Motiv ?

Ich habe mir diese Frage gestellt und beantwortet hat sie mir dann eine Ausstellung über Rachel Ruysch in der Alten Pinakothek in München. Sie war eine sehr erfolgreiche und wohlhabende, niederländische Stilllebenmalerin des Barocks.

Sonnenblume, Kopie, Detail aus einem Bild von Rachel Ruysch, 2025, Acryl a.L., 20*20 cm, Acrylmalerei., © Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de/
Sonnenblume, Kopie: Detail aus einem Bild von Rachel Ruysch, 2025, Acryl a.L., 20*20 cm

Ihre prachtvollen, täuschend echt wirkenden Blumenstillleben waren damals wie heute ein richtiger Publikumsmagnet. Und haben sich gut verkauft.

Ich glaube wir sehnen uns nach Schönheit. Verstörende Bilder sind inzwischen alltägliche Normalität, da suchen unsere Augen und unsere Seele förmlich nach Abwechslung.

Ich war so fasziniert von ihren Kompositionen und detaillierten Abbildungen, dass ich einzelne Ausschnitte zu Übungszwecken kopiert habe. Kopieren klingt nach „ist ja ganz einfach“, ist es aber dann doch nicht!

Trichterwinde, Kopie, Detail aus einem Bild von Rachel Ruysch, 2025, Acryl a.L., 20*20 cm, Acrylmalerei., © Gabriele Riedel Art, https://gabriele-riedel-art.de/
Trichterwinde, Kopie: Detail aus einem Bild von Rachel Ruysch, 2025, Acryl a.L., 20*20 cm

Hier übe ich den genauen Blick und verstehe mit jedem Pinselstrich mehr, welche Tricks die alte Meisterin angewandt hat um Tiefe, Dynamik und Lebendigkeit ins Bild zu zaubern.

Und wer nimmt sich heute schon die Zeit einen Schmetterling zu malen, das ist der pure Luxus!

Stilleben „Hommage an Rachel Ruysch“

Hommage an Rachel Ruysch, Acrylmalerei., 80*80 cm, 2025 © Gabriele Riedel Art
Hommage an Rachel Ruysch, Acryl a. L., 80*80 cm, 2025

Letzendlich hat es dann dazu geführt, dass ich mit großem Pinsel und lockerem Strich ein Stilleben sozusagen NeoBarock kreiert habe!

 

ER ist wieder DA!

Und ich dachte schon dieser Typ würde bis ans Ende seiner Tage nur noch Golf spielen. Aber nein. ER ist wieder DA! Und mit ihm die großen Gesten und die falschen Versprechungen.

Who the f*ck is erica? / 2019 / Acryl a. L. / 120*180 cm © Gabriele Riedel
Who the f*ck is erica? / 2019 / Acryl a. L. / 120*180 cm

Ich habe dieses Bild 2019 gemalt, weil ich es so unglaublich fand, dass ein Präsident eines demokratischen Landes so menschenverachtend, selbstverliebt und verlogen sein kann.

Seinen Slogan Make America great again konnte ich nur in Bezug zu seinem Größenwahn stellen.

Die inszenierte Selbstdarstellung und Machtdemonstration verbunden mit seiner typischen Gestik, bleibt also weiterhin auf allen Kanälen präsent. Denn dieser Mensch braucht sehr viel Aufmerksamkeit, das ist seine Methode.

Düstere Zeiten.

Dreams have no title

Der Gedanke gefällt mir und lässt mich nicht mehr los.

Man muss sich nicht erklären und befreit sich von irgendwelchen Zuweisungen. Gibt sich selbst und den Betrachtenden Rätsel auf und lässt seinen Ideen freien Lauf.

Dreams have no title, 2024, Acryl auf Leinwand, 50*40 cm
Dreams have no title, 2024, Acryl auf Leinwand, 50*40 cm

Eigentlich suche ich nach einem Bildmotiv für eine Ausstellung mit dem Titel: “Wie wirklich ist die Wirklichkeit?”

Und je länger ich über den Titel sinniere umso weniger fällt mir ein. Und dann fliegt mir dieser Satz wieder zu “Dreams have no title”.

Ich begebe mich auf eine innere Reise, tauche ab in die Untiefen meiner Phantasie, lasse mich treiben und gehe auf Reisen mit einem Goldfisch.

Und voilà hier ist das Ergebnis!