Marmor, von der Idee zur Form

ein guter Geist aus Marmor
Der gute Geist, Statuario Marmor, 2022

Der Monat Mai stand ganz im Zeichen der Form. Die Vorbereitung auf das Bildhauercamp in Azzano (Italien) füllte die Wochen: Ideensuche, Ideenfindung, der Aufbau eines Modells, das mir später bei der Arbeit in Marmor als Orientierung dienen sollte. Denn beim Stein gilt: Was weg ist, ist weg. Man sollte sich also gut überlegen, was man weghaut – bevor man zum ersten Mal ansetzt.

Die Grundidee dieser Gartenskulptur war es, ein schützendes Wesen zu gestalten, inspiriert vom Qi-Gong-Prinzip: „Unten schwer und oben leicht.”

Der Prozess

Ich hatte noch einen Block aus Statuario-Marmor, der auf seine Formgebung wartete. Dieser Marmor wird ausschließlich in den Steinbrüchen von Carrara abgebaut und ist unter Bildhauern hoch geschätzt. Sein zartes Weiß und die feine, kristalline, lichtdurchlässige Struktur entfalten besonders im Licht eine ganz eigene, magische Wirkung.

Das Campo und die Umgebung

Eine wilde und grandiose Umgebung, ein kleines Bergdorf – tagsüber Hitze, Lärm und Staub, abends Feierstunden mit Blick auf die Ebene und das Meer, dazu Glühwürmchen Nächte, die man so schnell nicht mehr vergisst.

Das Ergebnis

Konzentrierte Arbeit im Kreis von Künstlerinnen und Künstlern – mit Maschinen und mit der Hand, begleitet von erfahrenen Bildhauern und bereichert durch angeregte Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Nationen. Das Weltgeschehen und seine Krisen streiften uns dabei nur am Rande. Im Mittelpunkt stand die Arbeit am Stein: die Formgebung, die persönlichen Höhen und Tiefen bei der Arbeit am Stein.

Und im gemeinsamen Tun lernt man sich in diesen zwei Wochen ganz anders kennen – unverstellter, ehrlicher, offener. Es war eine sehr schöne Zeit.