Ich reise gerne spontan und mit möglichst wenig Aufwand. Bevorzugt in den Süden, in die Wärme und ans Meer.
Christina
Ich möchte mich im Blau des Himmels und des Meeres verlieren, ein bisschen Sonne tanken. Bin dank einer spontanen Einladung auf Malta gelandet.
Malta, Dez. 2025 (c) Foto: Gabriele Riedel
Sitze im Café am Hafen, vor mir die Bucht mit der Zitadelle. Kreuzritter und Superreiche, diese Insel hat viele Geschichten zu erzählen. So wie Christina, die wie ich dem Winter entflohen ist.
Blue dreams Acryl a. L., 60*50 cm, 2026
Ein Espresso, eine Zigarette und eine Handtasche mit dem passenden Lippenstift. Was braucht eine Frau mehr um sich frei zu fühlen?
Dieses Bild des kleinen, selbstgewissen Glücks hat mich nicht losgelassen und ich habe versucht diesen flüchtigen Moment für mich festzuhalten.
Ein altes italienisches Landgut, eine eifrig, konzentrierte Gruppe von Studentinnen und Studenten, ein schamhaftes Modell in der Badehose, Kerzenschein und guter Wein. Die Szenerie war intim und doch inszeniert.
Der Maestro und Gastgeber der Akademie – ein sinnenfroher, exzentrischer Kunstmaler, der mit seinem exotischen Lebenspartner eine bunte Gemeinschaft um sich herum versammelt hatte.
Das Anwesen selbst versteckte sich in einem großzügigen Park mit verwunschenen Ecken und farbenfrohen Kunstinstallationen. Eine sommerliche Bühne für Alle, eine Einladung zur Selbstinzszenierung oder auch nur ein geschützter Platz zum Träumen, Zeichnen, Schreiben.
Giulia, Acryl a. L., 60*50 cm, 2026
Giulia in ihrer Selbstvergessenheit und Konzentration faszinierte mich mehr als unser Modell in seinen gestellten Posen.
Es gibt so viele mutige und starke Frauen deren Geschichte nie erzählt wird. Andere hingegen stehen für kurze Zeit im Rampenlicht, bevor sie wieder in Vergessenheit geraten. Ich finde das bedauerlich.
Alte Männer, mit patriarchalischen Vorstellungen aus biblischen Zeiten, dominieren die Weltpolitik und prägen unsere Vorstellungswelten.
Gerade jetzt brauchen wir weibliche Vorbilder, die für Toleranz und Menschlichkeit kämpfen, sich für Frauenrechte einsetzen, für Bildung, für Arten – und Naturschutz kämpfen. Es gibt noch viel zu tun und der Preis dafür ist oft sehr hoch.
Stellvertretend für all diese unterschiedlichen Lebenswelten habe ich sechs Frauen ausgewählt, die mich auf sehr unterschiedliche Weise beeindruckt haben und die ich deshalb portraitiert habe.
Malala Yousafzai
„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“
Malala ist eine pakistanische Frauen- und Kinderrechtsaktivistin und jüngste Trägerin des Friedensnobelpreises. Bildung ist ein elementares Grundrecht und die Grundlage für Demokratie.
Deshalb möchte ich mit diesem Portrait an die Geschichte von Malala, aus dem pakistanischen Swat Tal erinnern. Mit elf Jahren begann sie in einem Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter der Herrschaft der pakistanischen Taliban zu berichten. Im Oktober 2012 hielten einige Taliban ihren Schulbus auf der Heimfahrt an, schossen ihr aus nächster Nähe ins Gesicht und verletzten sie schwer.
Anlass für den Anschlag war ihr Einsatz für das Recht auf Schulbesuch für Mädchen. Noch immer gibt es ungezählte Frauen und Mädchen weltweit, denen das Recht auf Bildung verweigert wird, damit sie versklavt und ausgebeutet werden können. Besonders gefährdet sind sie in Kriegs und Krisenzeiten.
Jane Goodall
„Auch Tiere haben eine Persönlichkeit und Gefühle.“
Ein Leben für den Naturschutz. Dank ihrem Mut und der Entschlossenheit ihrem Traum zu folgen, erhielt sie die die Chance das Verhalten von Schimpansen in freier Natur in Gombe Nationalpark in Tansania, zu erforschen.
Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse führten im Laufe ihres Lebens zum aktiven Engagement für Arten und Naturschutz. Oberstes Ziel ist der respektvolle Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur.
Mittlerweile setzen sich 25 Jane Goodall Institute rund um den Globus für umfassenden Natur- und Artenschutz, Bildung in nachhaltiger Entwicklung sowie globale Entwicklungszusammenarbeit ein. Jane Goodall wiederholte jedoch immer wieder, dass ihre größte Hoffnung für die Zukunft im Engagement junger Menschen liege.
Sie warb unermüdlich für diese Ideen und ist am 1. Oktober 2025 auf einer Vortragsreise in Los Angeles gestorben. Und hat uns so viel Gutes hinterlassen.
Margot Friedländer
„Wir sind alle gleich – es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut.“
Geboren als jüdische Deutsche 1921 in Berlin, deportiert 1944 ins Konzentrationslager Theresienstadt, befreit im Mai 1945, entging Margot Friedländer nur knapp dem Tod durch den nationalsozialistischen Terror. Als einzige in ihrer direkten Familie überlebte sie den Holocaust.
Nach über sechs Jahrzehnten im Exil in New York kehrte sie im Alter von 88 Jahren in ihre Heimat Berlin zurück und setzt sich dafür ein, dass das, was Millionen von Menschen ihrer Generation angetan wurde, nie wieder passieren darf.
Sie setzte sich bis ins hohe Alter von 103 Jahren für Toleranz und Menschlichkeit ein.
Sie ist am 9. Mai 2025 gestorben, solche Stimmen werden fehlen.
Seit dem Prozess (2024) gegen ihren Ex-Mann und Vergewaltiger ist die 71-jährige Französin Gisèle Pelicot zur Ikone im Kampf gegen sexuelle Gewalt geworden.
Ihr Ex-Mann betäubte sie ohne ihr Wissen durch den Einsatz starker Medikamente und lud mindestens 82 Männer in das gemeinsame Haus ein, um sie vergewaltigen zu lassen. Die Täter stammten aus allen sozialen Schichten, waren zwischen 22 und 70 Jahre alt und kommunizierten über eine Online-Chat-Seite.
Um aus der Opferrolle herauszutreten, setzte sie bei Gericht in Avignon durch, dass der Prozess nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Sie entschied sich, auf ihr Recht auf Anonymität zu verzichten und den Prozess bewusst öffentlich zu führen.
Ihr Ex-Mann wurde wegen schwerer Vergewaltigung schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. In dem Verfahren standen neben dem Hauptangeklagten 50 weitere Männer vor Gericht, die meisten wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung.
Nahid Taghavi, wurde wegen ihres Engagements für Frauenrechte im Oktober 2020 in Teheran verhaftet und verbrachte 220 Tage in Einzelhaft im berüchtigten Evin-Gefängnis.
Von ihrer Verhaftung bis zur Verurteilung verbrachte Nahid Taghavi mehr als sieben Monate in Isolationshaft. Sie musste ohne Bett und Kissen auf dem Boden schlafen, wurde rund um die Uhr überwacht und durfte nur 30 Minuten pro Tag mit Augenbinde an die frische Luft.
Taghavi war eine von mehreren politischen Gefangenen im Iran mit deutscher Staatsbürgerschaft und wurde im Januar 2025 nach 1500 Tagen in Haft freigelassen.
Der Iran zählt leider schon sehr lange zu den brutalsten Regimen weltweit. Im Namen der Religion werden Frauen und Männer ihrer Rechte beraubt, mit Gewalt unterdrückt und ermordet.
Umso mehr Mut erfordert es unter solchen Bedingungen zu seinen Idealen zu stehen.
Stundenlange, beschwerliche Wanderung über steinige Pfade. Bergauf, bergab und dann steht sie plötzlich auf dem Weg und freut sich über einen kleinen Plausch. Menschen kommen hier nur gelegentlich vorbei. In der Mitte der Insel gibt es keine Straßen und die Bewohner tragen alles zu Fuss und auf dem Rücken hinauf zu ihren bescheidenen Häusern.
Sie ist eine von vielen Frauen auf dieser abgelegenen Insel, die mit harter körperlicher Arbeit für das Überleben ihrer Familie sorgen. Und damit auch symbolisch für so viele andere.
Die Männer sind fortgezogen, um ihr Glück und ihr Auskommen in der Ferne zu suchen.
Die Zeiten sind irgendwie trostlos und ich begebe mich auf die Suche nach einem verloren gegangenen Lebensgefühl.
Höre die Songs meiner Heldinnen. So unterschiedlich ihre Musik auch sein mag, für mich haben sie alle etwas gemeinsam. Die Sehnsucht nach Freiheit, Rebellion und Unangepasstheit, oft verbunden mit Schmerz und Einsamkeit.
Diese Zerrissenheit und gleichzeitig auch ihre Verletzlichkeit darzustellen, mache ich zum Thema meiner neuen Portraitserie. Alle drei stehen für Kompromisslosigkeit und sind für mich ein Spiegel meiner eigenen Suche nach Authentizität.
Patti Smith
Patti Smith wird ja gerne als „Godmother of Punk“ bezeichnet, aber sie darauf zu reduzieren wird ihr nicht gerecht.
Patti Smith in Berlin 2022, Acrylpainting, Copyright Gabriele Riedel; Bildvorlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Patti_Smith#/media/Datei:Patti_Smith_in_Berlin,_2022,_Bild_2.jpg
Mich fasziniert ihre Weigerung, sich festlegen zu lassen. Musik, Lyrik, Fotografie, Prosa sie bewegt sich zwischen den Genres, und bleibt sich dabei treu.
Patti entspricht so gar nicht dem üblichen Stereotyp einer alternden Frau. Innerlich wie Äußerlich. Jede Falte in ihrem Gesicht, ist Ausdruck von Lebendigkeit und erzählt etwas über ihr Leben.
Mich beeindrucken diese Offenheit und ihr Umgang mit dem Altern. In Bewegung bleiben, kreativ und interessiert sein und sich dem allgemeinen Optimierungswahn entziehen. Das ist auch mein Lebensmotto. Und genau diese Haltung wollte ich in ihrem Portrait sichtbar machen: Das Gesicht einer Frau, die sich selbst treu geblieben ist.
Amy Winehouse
Ihre Texte klingen, als hätte sie die Songs für sich allein geschrieben. Selbstausdruck von tiefer Liebe, Verlust und großem Schmerz. Ihre Stimme war einzigartig, ihre Musik ist echtes Soulfood.
Ihr Leben war ein Kampf mit Alkohol und Drogen, den sie verloren hat. Und dieses ewige Drama lebt weiter in ihrer Musik. Das Dunkle fasziniert und stößt uns gleichzeitig ab.
Sie selbst erschien mir als nachdenkliche und zarte Person und so wollte ich sie darstellen.
Janis Joplin
Ich liebe ihre Stimme, diese Kraft, die Rauheit. Sie hat alles gegeben, auf der Bühne und im Leben, und genau dieses Zuviel hat sie auch zerstört. Und trotzdem wenn ich Me and Bobby McGee höre, spüre ich diese Freiheit, die sie verkörpert hat.