Vanitas oder die Vergänglichkeit

Im November gedenken wir unseren Ahnen, erinnern uns an die Endlichkeit, an den Tod, nachdem wir dieses Thema den Rest des Jahres mehr oder weniger erfolgreich verdrängen.

Vanitas oder die Vergänglichkeit
Vanitas oder die Vergänglichkeit, 2022, Acryl a. L., 30*30 cm

Europa wurde in den vergangenen Jahrhunderten von Religionskriegen, kriegerischen Invasionen, der Pest, bitterer Armut und gnadenloser Unterdrückung heimgesucht. Somit war die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Vergeblichkeit daran festhalten zu können, ein allgegenwärtiges Thema – insbesondere vom Mittelalter bis zum Barock.

In den vergangenen drei Jahren ist das Thema Pandemie, Krieg und seine Folgen gänzlich unerwartet wieder in unser aller Bewusstsein gerückt. Nachdem wir uns doch so viele Sicherheiten geschaffen und uns im Glauben gewiegt haben, das würde auch weiterhin so bleiben. Auch wenn viele Anzeichen schon länger dagegen sprechen …

Wie lässt sich Vergänglichkeit bildlich darstellen?

Auf der Suche nach Darstellungen dieses Themas in der Malerei bin ich bei den Vanitas Darstellungen fündig geworden. (Vanitas ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen). Insbesondere die niederländischen Stillebendarstellungen des 17. Jahrhunderts faszinieren mich, wegen der detaillierten Malweise, den symbolträchtigen Bildelementen und deren Kompositionen.

Ich kopiere die großen Meister dieses Genres (Jan Davidsz. de Heem, Harmen Steenwijck), um von ihnen zu lernen. Ich suche mir einzelne Bildelemente, komponiere sie neu und verfremde sie.

Meine malerischen Versuche können den Originalen nicht das Wasser reichen, denn für die präzise Führung des Einhaarpinsels in mehreren Schichten fehlte mir dann doch die Geduld.

 

Kinder im Krieg

Der Irrsinn des Krieges in der Ukraine nimmt immer noch kein Ende, Atomkraftwerke werden bombadiert, Russland droht mit atomaren Waffen und von Friedensverhandlungen kann keine Rede sein.

Kinder im Krieg

Kriegskinder / 2022 / Acryl a. L. / 70*100
Kriegskinder oder „Ungehorsam wagen“ / 2022 / Acryl a. L. / 70*100

Beim Surfen im Netz bin ich auf einer ukrainischen Instagramseite auf diese beiden Kinder im Angesicht der heranrückenden Armee gestoßen.  Inzwischen ist das Original nicht mehr auffindbar. Was auch irgendwie gleichgültig ist, da das Foto schon bei genauerer Betrachtung eine Fotomontage war. Ein salutierender Junge mit Spielzeuggewehr.

Welche Absicht hatte der Autor dieses Postings im Netz? Vorbereitung auf den Kampf, den militärischen Gehorsam, eine Übung in Patriotismus? Ich lehne das alles ab! Krieg und Zerstörung sät nur Haß und Gewalt und diese Endlosspirale wird mit jedem Konflikt aufs Neue genährt.

Kinder transportieren Emotionen und werden bevorzugt in der medialen Bildsprache eingesetzt. Einerseits wird dadurch unser Mitgefühl verstärkt angesprochen, weil sie die Schwächsten unserer Gesellschaft sind. Anderseits werden sie dadurch auf eine gewisse Art und Weise auch als Mittel zum Zweck missbraucht.

Ich habe diesem Fake Posting neue Ebenen hinzugefügt und es im Malprozeß weiter verfremdet.

Zeitzeugnisse

2022 Traurige Aktualität Krieg in der Ukraine.

Mir fehlen einfach die Worte weil die Dimension dieses Ereignisses so vieles andere in den Schatten stellt. Und ich denke an die Kinder, die in diesen Wahnsinn hineingeworfen werden und frage mich, mit welchen Prägungen sie das überleben werden.

Kriegskinder / 2022 / Acryl a. L. / 70*100 © Gabriele Riedel
Kriegskinder / 2022 / Acryl a. L. / 70*100 cm

2020-2021

Die Pandemie und die damit verbundenen persönlichen und weltweiten Einschränkungen haben mich zunächst in eine Art ungläubiges Staunen und in der Folge in eine lähmende Ohnmacht versetzt. Zugleich stellte ich mir viele  Fragen, u.a. was macht Mensch-Sein eigentlich aus, wonach sehnen wir uns? Und so kristallisierten sich teilweise sehr persönliche Motive heraus.

Santa Familia / 2020 / 100*70 cm / Acryl a. L. © Gabriele RiedelBlick durchs Fenster / 2021 / 50*70 cm / Acryl a. L. © Gabriele RiedelFreundschaft / 2021 / 70*70 cm / Acryl a. L. © Gabriele Riedel

2019-2020

Künstlerische Bahn brach sich meine Empörung 2019 mit der brutalen Niederschlagung der Proteste in Hongkong und der ohnmächtig zuschauenden Welt. Zeitgleich tobten wochenlange Waldbrände in Brasilien die Bolsonaro, im Gegensatz zum Rest der Welt, nicht im Geringsten bekümmert haben. Unübersehbar, der auf allen Medien tagtäglich präsente und gefährliche Entertainer Mr. Trump und sein Motto „Make America great again!“. Nicht zu vergessen das Erstarken der autoritären Rechten Identitären Bewegungen auch bei uns in Deutschland.

Bolsonatu / 2019 / Acryl a. L. / 90*120 cm © Gabriele RiedelWho the f*ck is erica? / 2019 / Acryl a. L. / 120*180 cm © Gabriele RiedelBraune Sosse (Ostritz 2018) / 2020 / Acryl a. L. / 120*150 cm © Gabriele RiedelHongkong / 2019 / Acryl a. L., 100*145 cm © Gabriele Riedel

Hommage an den Sommer

Dieses Bild ist eine Hommage an den Sommer und paradiesische Momente.

Badende, 2022, Acryl a. L., 150*100 cm
Badende, 2022, Acryl a. L., 150*100 cm

Es gibt da so einen geheimen Ort an einem Fluß in einem südlichen Tal. Hier treffe ich mich im Sommer mit meinen Freunden und wir feiern das Leben auf eine ganz einfache und unkomplizierte Art. Wir kennen uns schon sehr lange,  respektieren uns, streiten trotzdem, schätzen uns in unseren Eigenheiten und verbringen unvergessliche Wochen miteinander – wie eine große Familie.

Zusammenleben könnte so einfach sein!

Abschied

Jetzt sind in kürzester Zeit gleich drei Menschen die ich geschätzt und sehr gerne gehabt habe, gestorben. Wir haben uns zeitweise aus den Augen verloren, aber die Endgültigkeit des Todes trifft mich doch sehr.

Irgendwie sind sie für mich noch nicht ganz weg, aber wo sind sie hingegangen? Das übliche Trauern und Abschiednehmen fällt mir schwer. Ich male einfach und setze mich weiterhin mit dem Thema Berge und Landschaft auseinander. Und neue Farben erobern den Platz auf meiner Palette.

Manchmal muss es einfach Pink sein und ich beschließe das Bild Abschied zu nennen.

Abschied, Acryl a. L. , 2022, 120*80 cm
Abschied, Acryl a. L. , 2022, 120*80 cm

 

 

Momente / moments / momentos

Die Poesie des Augenblicks oder Magische Momente.

Die Blaue Stunde über Marrakesh, Schwalben die sich für ihren Flug in den Süden versammeln, eine junge Familie, ein Waldsee …

Was spricht uns an und warum? Der persönliche Eindruck ist geprägt von unserer Erfahrung, unseren Wünschen, Hoffnungen und Ängsten.  Besonders in den Zeiten der Pandemie habe ich mich gefragt, was fehlt uns am meisten? Was macht das Mensch-Sein eigentlich aus? Freundschaft, Famile, Berührungen und vieles mehr.

 

Freiheit, 2022, Acyl a. L., 70*120 cm © Gabriele RiedelSanta Familia / 2020 / 100*70 cm / Acryl a. L. © Gabriele RiedelBlaue Stunde / 2019 / 50*70 cm / Acryl a. L. © Gabriele RiedelBlick durchs Fenster / 2021 / 50*70 cm / Acryl a. L. © Gabriele RiedelWaldsee, 2020, / Acryl a. L. / 140*100 cm © Gabriele Riedel